Autorentreffen 2016

13 Jahre Autorentreffen, 13 Jahre tolle Dozenten, 13 Jahre interessante Themen, 13 Jahre tolle Teilnehmer.
Gäste beim Treffen 2016
 
Gäste beim Treffen 2016
 
Gäste beim Treffen 2016
 

Dieses Jahr durfte ich als Dozenten begrüßen:

Titus Müller
Titus Müller
Iris Leister
Iris Leister
Jürgen Kehrer
Jürgen Kehrer

Hier einige Eindrücke von Teilnehmern ...

Tatjana Flade

Manchmal habe ich das Gefühl, dass es gerade eine Schwemme an Angeboten für Auto-ren gibt. Hier ein Event, da noch eine Messe, dort ein Workshop … Ganz klar, viele Anbieter haben erkannt, dass es einen großen Markt gibt. Einerseits ist das ja toll, aber andererseits fällt die Auswahl schwer. Was lohnt sich und was nicht?

Ich habe Anfang Mai zum ersten Mal das Autorentreffen in Nürnberg besucht, das meine BVjA-Kollegin Ursula Schmid-Spreer immerhin zum 13. Mal organisiert hat. Ich habe es nicht bereut.

Das Autorentreffen bestand in diesem Jahr aus dem „Kerntag“ mit drei Vorträgen sowie Lesungen und Workshops am Tag davor bzw. den Tagen danach. Insgesamt nahmen ca. 90 Autoren teil, darunter erfreulicherweise auch einige BVjA-Mitglieder, die ich noch nicht alle persönlich kannte. Ich denke immer, dass der Austausch und Netzwerken sehr wichtig sind und man so auf jeden Fall weiterkommt, als im stillen Kämmerlein vor sich hinzuschreiben.

Die Lesung der Dozenten am Mittwochabend habe ich leider verpasst, aber ich bin dann am Donnerstag (Christi Himmelfahrt) ins Seminar eingestiegen. Es gab drei Vorträge. Die gelernte Drehbuchschreiberin und Krimi-Autorin Iris Leister erläuterte ihre Thesen zur Gestaltung einer Szene. Sie sprach zum Beispiel vom Prinzip der „Hollywood Cocktail Party“: „Enter late, leave early“. Klar ist damit gemeint, dass eine Szene nicht durch Vorgeplänkel oder langatmige Einführungen in die Länge gezogen werden sollte, kommt am besten gleich zur Sache! Und ja, nicht jede Szene muss bis zum Ende ausgeschrieben, also abgeschlossen sein, sondern das Ende sollte Lust zum Weiterlesen machen, Stichwort „Cliffhanger“. Aber muss man einen Cliffhanger an den anderen reihen? Irgendwann werden jedem die Arme lahm … Leider war der Workshop von Iris Leister zum Thema Szenen schreiben schnell ausgebucht, den hätte ich auch gerne mitgenommen.

Der auch einem breiteren Publikum bekannte Autor Titus Müller, den ich noch von ganz früher kenne, als er im BVjA war, sprach zum Thema „Erzählperspektive“ und machte Mut zum Experimentieren. Anhand von Beispielen zeigte er, was für interessante Wege es gibt, dass offensichtlich auch Lektoren mehr „erlauben“ als der Autor vielleicht denkt und dass es hier auch gewisse Trends gibt.

Der Journalist und Autor Jürgen Kehrer schließlich berichtete über das Entstehen seiner Münsterkrimis um den Privatdetektiv Wilsberg, von denen viele verfilmt wurden. Bei ihm ging es u.a. darum, wie aus einem Roman ein Drehbuch wird, aber auch was passiert, wenn einen ein Leser verklagt, der meint, sich in einer Romanfigur wiederzuerkennen (der Autor gewann – außerdem hatte er den Leser auch gar nicht gemeint). Jürgen Kehrer hielt außerdem am Freitag einen Workshop zum Thema Plotten ab.

Das Publikum konnte Fragen stellen und diskutieren, und alle Dozenten waren sehr zugänglich. Der Tag klang mit einem gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant aus, dort lasen auch einige Teilnehmer aus Texten und bekamen Feedback.

Gäste im Weinlager

Für den Freitagabend hatte Ursula liebevoll eine Lesung in Kunstverein im Alten Weinlager organisiert. Dort lasen neun Autoren für jeweils sechs Minuten, wenn die Zeit ablief, war ein lauter Herzschlag zu hören und am Ende ertönte ein Schuss. Ich habe eine Szene aus „Herz im Fadenkreuz“ gelesen, der Schuss passte sogar dazu, allerdings fällt er in meiner Szene nicht am Ende. Im Kunstverein kamen an diesem Abend Literatur, Malerei (es handelt sich um das Atelier des Künstlers und Bodypainters Walter Mattischeck, und es lief gerade die Ausstellung des österreichischen Malers Jürgen Bley) sowie Musik (die russische Sängerin Leila Sunshine trat ebenfalls auf) zusammen. Meine Tante, Onkel und Cousine waren auch gekommen und hatten viel Spaß.

Bei der Lesung im Kunstverein: Also, um auf den Anfang zurückzukommen – das Autorentreffen in Nürnberg zählte für mich zu den Veranstaltungen, die sich lohnen, nicht nur, weil ich Neues erfahren, sondern auch nette und interessante Autoren getroffen habe. Beim 14. Treffen im nächsten Jahr wäre ich gern wieder dabei.

Das 13. Nürnberger Autorentreffen wieder ein Glücksfall!

Bruno Woda, alias Gerald Kaliwoda im Mai 2016

Ursula Schmid-Spreer rief zum jährlichen Autorentreffen nach Nürnberg und gut neunzig Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, aus Prag und diesmal auch aus Dänemark, folgten. Für die geistige Nahrung sorgten die Autoren Iris Leister mit einem Referat zum Thema „Gekonnt Szenen machen“, Titus Müller stellte „Die Kunst der Erzählperspektive“ dar und Herr Wilsberg – pardon: Jürgen Kehrer – ließ seinen Krimihelden im Romantext und in analoger Filmszene aufleben.

Am Vorabend zur Tagung lasen die drei Autoren aus ihren Büchern im Kunstverein im Weinlager vor aufmerksamen und heftig applaudieren Zuhörern.

Am Tag nach dem Autorentreffen, Freitagabend, erhielten weitere Autoren Gelegenheit, aus ihren Romanen oder Kurzgeschichten zu lesen. Es gab viel Beifall für die einfallsreichen Texte.

Die kulinarischen Intermezzi organisierte Ursula in den Nürnberger In-Lokalen O'Sheas (irisch) und Della Donna (itlaienisches Büffet).

Ein besonderes Erlebnis war die schwarze Nacht in der Galerie im Weinlager mit Body-Painting an sieben Models. Weltklasse Blacklight Bodypainter, voran Preisträger Walter Mattischeck zelebrierten ihre fantasievollen Körperbemalungen. Musikalisch angeregt durch die fetzige Kult-Band Mona Filice.

Ich hatte mich für den Workshop „Dramaturgie – vom Film lernen“ am Samstag eingeschrieben. Iris Leister gelang es auf kurzweilige Weise, „die Prinzipien filmdramaturgischen Schreibens für die Prosa fruchtbar zu machen“. Sie sprach aus der Praxis, mit Erfahrungen als Drehbuchautorin und mit der Liebe zur Prosa: Wie aktive Figuren entstehen, wie Konflikte die Handlung schärfen und wie weitere dramaturgische Tricks (u.a. Cliffhanger) den Leser an den Text fesseln. Schade, wer an diesem Seminar nicht teilnehmen konnte.

Was Ursula Spreer-Schmid wohl für das Autorentreffen 2017 ausheckt? Es wird bestimmt wieder ein unvergessliches Erlebnis werden. Danke, danke, danke!

 

 

Waltraud Zuleger: Workshop mit Iris Leister zum Thema „Dramaturgie für Prosaautoren: Vom Film lernen“

Samstag, den 7. Mai 2016, Caritas Pirkheimer Haus-Nürnberg

Die Referentin Iris Leister, die ihre Karriere als Drehbuchautorin startete, hatte das Auto-rentreffen am Donnerstag, den 5. Mai 2016, mit einem sehr interessanten Vortrag über die Gestaltung von Szenen eröffnet. In der Lesung am Vorabend hatte sie außerdem ihre Kurzgeschichte „Der Hias“ präsentiert, für die ihr der heuer zu Recht der Friedrich Glau-ser-Preis verliehen worden war. In ihrem Workshop am Samstag wurde das Thema ihres Vortrages vom Donnerstag weitergeführt.

Zunächst wurde die Möglichkeit der Szenengestaltung anhand einer banalen Alltagssituation diskutiert. Dann ging es um die Schaffung einer mehrdimensionalen, aktiven Figur mit innerhalb der Romanstruktur glaubwürdiger Haltung, die durch die Verfolgung („in character“) ihrer Szenen-Ziele, aus denen sich zuletzt ihr Hauptziel ergibt, die Handlung zu lenken versucht. Am Nachmittag wurden die von sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den Workshop eingereichten Beispiele aus ihren eigenen Romanprojekten besprochen. Den Abschluss bildete dann noch ein kurzes weiteres Gruppen-Rollenspiel, in dem die im Workshop erarbeitete Technik anhand einer in der Gruppe entworfenen Szene erneut umgesetzt wurde. Neben einem nützlichen Fragebogen gab es als weitere Workshop-Unterlage noch ein Handout mit nützlichen Literaturempfehlungen.

Die Referentin war wesentlich weniger autoritär als ihr Kollege am Vortag, hatte aber die Führung ihres Workshops wie auch dieser unter Kontrolle. Besonders positiv ist mir die gute zeitliche Organisation aufgefallen. So stand z. B. für die Besprechung aller einge-reichten Beiträge jeweils dieselbe Zeit zur Verfügung. Dennoch hatte ich nicht den Ein-druck, dass einer der Beiträge deswegen bei dieser Besprechung zu kurz gekommen wäre.

Auch hier ist noch lobend die angenehme Atmosphäre anzuführen, obwohl es zur selben Zeit in Nachbarräumen eine weitere Veranstaltung gegeben hat. Die ausgiebige Versorgung mit Kaffee und anderen Getränken und Keksen trug sicher wesentlich zur angenehmen Workshop-Atmosphäre bei.

Waltraud Zuleger: Workshop mit Jürgen Kehrer zum Thema „Plotten“

Freitag, den 6. Mai 2016, Caritas Pirkheimer Haus-Nürnberg

Der Referent Jürgen Kehrer, bekannt als Kriminalschriftsteller, hatte bereits beim Autorentreffen am Donnerstag, den 5. Mai 2016, einen äußerst informativen Vortrag über seine Romanfigur Georg Wilsberg (inklusive ihrer Rolle als Fernseh- und Comic-Figur) gehalten hat. Er lebt in Münster, das er bei diesem Vortrag ebenfalls mit Bildern und Information (zur Stadtgeschichte) vorstellte, was sicher für den Fremdenverkehr dort förderlich sein wird, vermittelte diese Bildpräsentation anschaulich, dass die Stadt Münster ein lohnendes Ziel für einen Ausflug ist. In seinem Workshop am Freitag stellte er nach der Klärung einiger Fachbegriffe wie z. B. Plot (Handlung), Exposé (Verkaufspapier) etc. eine Technik zum Plotten eines längeren Prosatextes vor, mit der ein Schreibprojekt durch Verbesserung und Straffung der Struktur weitergeführt werden kann.

Ausgangspunkt für diese Technik war die auf 9 Punkte erweiterte 7-Punkte-Struktur von Dan Wells (ein Film-Plot-Line-Modell), die auch auf längere Prosatexte und Romane an-gewendet werden kann. Vorgestellt wurde diese Plot-Technik am Beispiel der Schemata eines typischen Kriminalromans, eines typischen Liebesromans und eines klassischen Dramas nach Shakespeare. Dann wurde die Technik an praktischen Beispielen aus den eigenen Werken der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angewendet. Als letzte Aufgabe verfassten diese den Beginn ihres nun in Struktur gebrachten Plots.

Wie für einen Workshop üblich, wurde der praktischen Anwendung mehr Zeit eingeräumt als der Theorie. Bei der praktischen Anwendung ergaben sich weitere interessante und lehrreiche Erfahrungen. Positiv war auch, dass die Beiträge aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer besprochen wurden und dass alle Beteiligten intensiv mitarbeiteten.

Hinzu kam noch eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre, die sich dem relativ ruhigen Seminarort (ein Saal im Caritas Pirckheimer-Haus) verdankte. Eine ausgiebige Versorgung mit Kaffee und anderen Getränken (aufgrund des Wetters sehr hilfreich) und Keksen trug wesentlich zur angenehmen Workshop-Atmosphäre bei.

Ramona Ruff: Richtig plotten-Seminar mit Jürgen Kehrer am Freitag, 06.05.2016

Damit eine Geschichte Hand und Fuß hat, sollte man am besten mit dem Fuß anfangen ... Oder so?

Jürgen Kehrer hat uns an Hand des 7-Punkte-Systems von Dan Wells eine Möglichkeit gezeigt, wie einem das Plotten evtl. leichter gelingen mag. Das Seminar war sehr kurzweilig und inspirierend. Zu Beginn etwas Theorie, wurde es im Verlauf des Tages ernst, als es dann schließlich um die eigenen Texte ging.

Ramona Ruff: Dramaturgie Seminar mit Iris Leister am Samstag, 07.05.2016

Es gibt nicht nur den Plot und nur die Figur. Alles fließt ineinander, irgendwie. Das hat Iris Leister uns in ihrem Seminar mit vielen Übungen und Beispielen aus der Literatur und Filmwelt gezeigt. Auch in ihr Seminar floss das 7-Punkte-System mit hinein. Was einem deutlich machte, dass beim schreiben nichts für sich alleine steht und es immer wieder Schnittmengen gibt und geben wird. Auch hier machte einen Großteil des Seminars die Arbeit am eigenen Text aus und das war auch gut so. Beide Seminare hatten für mich Ihre Aha-Erlebnisse. Randvoll mit aufgefrischtem und auch neuem Wissen bin ich wieder nachhause gefahren! Schön war's!

Petra Hartmann: Zwei Tage in Nürnberg - Notizen vom Autorentreffen

Was wäre das Autorenleben ohne das jährliche Treffen in Nürnberg? Drei hochkarätige Referenten, dazu kulinarische und literarische Erlebnisse, Gespräche mit Gleichgesinnten und die liebevolle Betreuung durch Organisatorin Ursula Schmid-Spreer machen den Himmelfahrtstag seit Jahren zu etwas Besonderem. Auch diesmal - zum 13. Mal - verbrachten wir einen herrlichen Tag in der Frankenmetropole.

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